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US-Auto-Importe und -Exporte - Was bedeuten die Trump'schen Strafzölle?

Allgemein2018-07-01
US-Auto-Importe und -Exporte - Was bedeuten die Trump'schen Strafzölle?

Eines kann man Donald Trump nicht vorwerfen - dass er seine Versprechen aus dem US-Wahlkampf nicht wahr macht. Alle, die auf Mäßigung und einen "natürlichen Abschleifprozess" im Amt gesetzt hatten, sehen sich eines Besseren belehrt. In kaum einem Punkt wird dies so deutlich wie bei der Trump'schen Handelspolitik. Seit der US-Präsident im Februar die ersten Strafzölle in Gang gesetzt hat, vergeht kaum eine Woche ohne neue Schlagzeilen im internationalen Handelsstreit. Sozusagen mitten im Geschehen sind dabei Auto-Importe und -Exporte von Europa in Richtung USA und umgekehrt.

Der deutschen Autoindustrie schwant Böses, spätestens seit Donald Trump im April beim Besuch von Frankreichs Präsident Macron erklärte, er werde seine Handelspolitik so lange fortsetzen, bis kein Mercedes mehr auf New Yorks Fifth Avenue zu sehen sei. Zeitgleich zu Macrons Besuch wurde ein Prüfauftrag an das US-Handelsministerium erteilt, ob Fahrzeugimporte die nationale Sicherheit der USA bedrohten. Bei einem positiven Prüf-Ergebnis hätte der US-Präsident eine Handhabe, Strafzölle auf Autos quasi im Alleingang anzuordnen.

Zollpolitik und Protektionismus - nicht nur von Donald Trump

Erst vor wenigen Tagen hat Donald Trump seine Strafzoll-Androhung für europäische Autos nochmal wiederholt. In einer seiner berühmt-berüchtigten Twitter-Botschaften winkte er mit Strafzöllen von 20 Prozent für Fahrzeug-Importe aus der EU - dies als Reaktion auf die Europäischen Zoll-Sanktionen auf einige US-amerikanische Erzeugnisse, die wiederum die Antwort auf US-Strafzölle für Stahl und Aluminium aus Europa waren. So sieht eine Eskalations-Spirale aus.

[Tweet von Donald Trump]

Based on the Tariffs and Trade Barriers long placed on the U.S. and it great companies and workers by the European Union, if these Tariffs and Barriers are not soon broken down and removed, we will be placing a 20% Tariff on all of their cars coming into the U.S. Build them here!

- Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 22. Juni 2018]

Sollte die Strafzölle Wirklichkeit werden - ob 20 Prozent oder 25 Prozent, wie auch schon zu lesen war -, für die deutsche Autoindustrie wäre das ein herber Schlag. Im vergangenen Jahr hat Deutschland Fahrzeuge im Wert von 22 Milliarden Euro in die USA exportiert. Insgesamt wurden 2017 in den Vereinigten Staaten 1,35 Millionen Fahrzeuge aus deutscher Produktion verkauft. Der Großteil davon wurde allerdings in eigenen Fabriken in den USA hergestellt - hier würden Strafzölle vermutlich nicht greifen. Doch rund 493.000 kamen über den Atlantik in die Vereinigten Staaten. Einige Hersteller wie Porsche oder Audi sind sogar zu 100 Prozent auf diesen Weg angewiesen. Sie haben keine US-Fertigungsstätten. Strafzölle würden die Auto-Importe deutlich verteuern und sich negativ auf den Absatz auswirken - ein von Trump gewollter Effekt.

Bei aller Kritik an der Vorgehensweise des US-Präsidenten und berechtigter Zweifel, ob Protektionismus überhaupt zielführend sein kann - Zollpolitik ist keineswegs eine Erfindung von Donald Trump. Die EU ist seit jeher eine Meisterin in der Steuerung von Handelsströmen via Zöllen. Dabei gibt es auch bemerkenswerte "Disparitäten" - gerade wenn es um das Thema Auto-Handel mit den Vereinigten Staaten geht. Bei PKW's erhebt die EU bei US-Auto-Importen einen Einfuhrzoll von 10 Prozent, in umgekehrter Richtung fallen bislang nur 2,5 Prozent an. Ausgeglichener ist die "Zoll-Bilanz" bei vielen Pick-ups und Kleinlastern. Hier verlangt die EU bei bestimmten Pick-ups 22 Prozent für US-Importe, die USA 25 Prozent für Fahrzeug-Einfuhren aus Europa.

Die 25 Prozent-Regelung hat übrigens eine Geschichte. Im Jahre 1963 hatte die damalige EWG Strafzölle gegen Hühnerfleisch-Importe aus den USA verhängt. Die Amerikaner revanchierten sich mit höheren Zöllen - unter anderem auf Pritschenwagen und Kleinlaster aus Europa. Der Importzoll wurde hier von 8,5 Prozent auf 25 Prozent angehoben. Das traf vor allem den seinerzeit in den USA sehr beliebten VW Bulli. Der Streit kostete Volkswagen geschätzte 50 Millionen D-Mark. Der Zolltarif gilt nach wie vor. Der "Hühnchen-Krieg" könnte sogar als Blaupause für neue US-Strafzölle bei Fahrzeugen gelten. Es ist wohl kein Zufall, dass wieder über einen 25 Prozent-Satz diskutiert wird. Trump hat bei den Autozöllen das Argument auf seiner Seite, dass die EU US-Auto-Importe bisher stärker belastet als umgekehrt.

TTIP wäre eine Chance gewesen

Aber es sind nicht nur die Zölle, die freien Auto-Handel über den Atlantik behindern. Bei US-Auto-Importen nach Deutschland fallen zusätzlich auf den Zoll nochmal 19 Prozent Einfuhrumsatzsteurer an. Denn die Steuer wird auch auf die Zollabgabe erhoben. Das sind aber längst nicht die einzigen Import-Kosten. Nicht zu vergessen sind auch die nicht unerheblichen Kosten für die technische Umrüstung, Prüfungen, Gutachten, Nachweise, Genehmigungen usw. für den Betrieb von US-Fahrzeugen auf deutschen Straßen. Sie können leicht nochmal mehrere tausend Euro ausmachen. Ob die umfangreichen Vorschriften für Umrüstung, Betrieb und Zulassung ausschließlich sachlich begründet sind oder ob dahinter nicht auch die Absicht gestanden hat, nicht-tarifäre Handelshemmnisse zu schaffen, sei dahin gestellt. Fest steht, dass schon jetzt bei US-Auto-Importen nach Europa Hürden bestehen, die nicht unbedingt sein müssten.

Eine Chance, solche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, hätte das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) geboten. Mit der Begründung einer Freihandelszone zwischen den USA und der EU wären auf längere Sicht tarifäre wie nicht-tarifäre Handels-Hemmnisse auf beiden Seiten abgebaut worden. Das hätte für Auto-Importe aus den USA ganz neue Perspektiven eröffnet. Die Geschichte von TTIP ist bekannt. 2013 wurde mit den Verhandlungen begonnen. Bis Oktober 2016 konnte kein entscheidender Durchbruch zu einem Abkommen erzielt werden, gleichzeitig machte sich in vielen EU-Ländern Widerstand gegen TTIP breit. Mit der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten wurden weitere Verhandlungen obsolet, seither liegt TTIP offiziell auf Eis. Viele glauben sogar, dass das Abkommen endgültig tot ist. Heute wären manche für solche Freihandels-Vereinbarungen dankbar.

Bald EU-Strafzölle auf US-Auto-Importe?

Wie kann es jetzt weiter gehen? Macht Donald Trump seine Drohung wahr und erhebt tatsächlich Strafzölle auf Autoimporte aus Europa, wird die EU vermutlich wiederum mit Gegenmaßnahmen antworten. Dann könnten auch Auto-Importe aus den USA mit höheren Zöllen belastet werden. Die Anschaffungskosten für beliebte Modelle wie Chevrolet Corvette, Camaro, den Dodge Charger oder den Ford Mustang dürften dann spürbar steigen - je nach gewähltem Strafzoll um zehn Prozent und mehr. Echte US-Auto-Fans wird auch das sicher nicht schrecken, aber schmerzlich wären die Strafzölle schon.

Mehr als einen Nadelstich würde das übrigens für den US-Außenhandel nicht bedeuten. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mal gerade etwas mehr als 19.000 Import-Fahrzeuge aus den USA zugelassen. Fahrzeuge aus US-Produktion besitzen hierzulande einen verschwindend geringen Marktanteil von 0,6 Prozent. Dem stehen die fast 500.000 Autos aus deutscher Produktion gegenüber, die den Weg in die umgekehrte Richtung antreten. Hier macht sich der deutsche Handelsbilanzüberschuss gegenüber den Vereinigten Staaten besonders deutlich bemerkbar.

Ob es tatsächlich zu einer weiteren Eskalation kommt, bleibt abzuwarten. Die Handlungen des US-Präsidenten lassen sich nur schwer einschätzen - ebenso die europäischen Reaktionen darauf. Insofern ist derzeit vieles Spekulation. Es wäre allerdings verfehlt, in den Trump'schen Ankündigungen und Drohungen ausschließlich "Augenblicks-Eingebungen" zu sehen. Dahinter steckt schon eine bewusste Politik. Dass Trump entschlossen ist und dabei keine Rücksichten auf Freunde kennt, dürfte spätestens seit dem letzten G 7-Gipfel klar geworden sein.

Steigender Dollar verteuert US-Autoimporte zusätzlich

Zur Diskussion um die Strafzölle kommt hinzu, dass der Dollar in den letzten Monaten deutlich zugelegt hat, während der Euro schwächelt. Im Vergleich zum Jahresbeginn hat er gegenüber dem Dollar um 2,7 Prozent an Wert verloren, gegenüber dem Euro-Höchststand im Februar, als der Euro knapp über 1,25 Euro notierte, sogar um 6,6 Prozent. Dadurch sind US-Autoimporte bereits jetzt teurer geworden. Die Dollarstärke ist vor allem der florierenden US-Konjunktur und den steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten geschuldet. In Europa verharren die Zinsen dagegen weiter bei Null und die Unsicherheit wächst. Der Euro könnte vor diesem Hintergrund noch schwächer werden. Von daher wäre jetzt sogar ein guter Zeitpunkt für US-Autoimporte, ehe der Dollar noch stärker wird und womöglich noch Strafzölle zusätzlich obendrauf kommen. Das Thema Freihandel zwischen Europa und den USA wird sich vermutlich erst in der Nach-Trump-Ära wieder stellen.